Engel & Völkers platziert seit geraumer Zeit ein digitales Bewertungstool für Immobilien prominent auf seiner Website. Eigentümer können Adresse, Baujahr und Wohnfläche eingeben und erhalten binnen Sekunden eine erste Schätzung des Marktwerts. Das Maklernetzwerk positioniert sich damit im Wettbewerb mit Proptech-Startups und etablierten Portalen wie ImmoScout24, die ähnliche Services anbieten. Die zentrale Frage: Liefert das Tool belastbare Daten – oder dient es primär der Lead-Generierung?
Automatisierte Bewertung basiert auf Vergleichswerten
Wie die meisten Online-Bewertungstools greift auch die Lösung von Engel & Völkers auf historische Transaktionsdaten, öffentlich verfügbare Bodenrichtwerte und lokale Marktinformationen zurück. Algorithmen gewichten Faktoren wie Lage, Größe, Ausstattung und Zustand. Das Ergebnis ist eine Spannbreite, keine exakte Summe. Für Eigentümer, die eine erste Orientierung suchen, kann das ausreichen. Für Verkaufsverhandlungen, Finanzierungsgespräche oder steuerliche Bewertungen bleibt eine individuelle Begutachtung durch einen Sachverständigen unerlässlich.
Lead-Generierung im Fokus
Ein Blick auf die User Journey zeigt: Nach Eingabe der Immobiliendaten fordert das Tool meist Kontaktdaten an, bevor das vollständige Ergebnis angezeigt wird. Engel & Völkers – wie auch Wettbewerber – nutzt die Bewertung als Einstieg in den Kundendialog. Die Schätzung ist kostenlos, die Kontaktaufnahme durch einen Makler folgt automatisch. Für Eigentümer kann das hilfreich sein, wenn sie ohnehin verkaufen wollen. Wer lediglich den Marktwert prüfen möchte, muss mit Rückrufen und E-Mails rechnen.
Vergleich mit Portalen und Proptech-Anbietern
ImmoScout24 und Immowelt bieten ebenfalls automatisierte Bewertungen an, verknüpfen diese jedoch mit umfangreichen Datenbanken aus aktuellen Inseraten. Die Treffsicherheit variiert je nach Datendichte in der Region. In Ballungsräumen sind die Schätzungen oft präziser als in ländlichen Gebieten, wo Vergleichswerte rar sind. Engel & Völkers verfügt über ein dichtes Maklernetz in Metropolregionen und hochpreisigen Lagen, was die Qualität der Daten in diesen Segmenten erhöhen kann. In B- und C-Lagen bleibt die Aussagekraft begrenzt.
Auswirkungen auf Makler und Transaktionskosten
Für Makler bedeuten Online-Tools zweierlei: Sie senken die Hemmschwelle bei Eigentümern, die bislang keinen Verkauf erwogen haben. Gleichzeitig schärfen sie die Preiserwartungen und erhöhen den Druck auf die Maklercourtage. Wer den Marktwert bereits digital erfahren hat, erwartet vom Makler eine Mehrleistung – etwa exklusive Käuferkontakte oder professionelles Staging. Die Tools demokratisieren Marktinformationen, verschieben aber nicht die Notwendigkeit individueller Bewertungen. Für professionelle Käufer und institutionelle Investoren bleiben Gutachten nach ImmoWertV oder vergleichbaren Standards unverzichtbar. Ein verwandter Artikel behandelt jüngste Anpassungen im Angebot: Engel & Völkers überarbeitet Angebotsstruktur für Kauf und Miete.


