Im Jahr 2024 sind in Deutschland 23,1 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle angefallen. Das sind 0,5 Millionen Tonnen oder 2,4 Prozent mehr als 2023, als mit 22,5 Millionen Tonnen der niedrigste Stand seit 2015 verzeichnet worden war. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis). Die Zunahme belastet die Entsorgungsinfrastruktur erneut, nachdem sich die Lage im Vorjahr vorübergehend entspannt hatte. Gefährliche Abfälle weisen Merkmale auf, die Mensch und Umwelt gefährden – sie können brandfördernd, krebserregend oder reizend sein und müssen über spezielle Begleitscheine erfasst und in kontrollierten Verfahren entsorgt werden.

Bau- und Abbruchabfälle dominieren das Gesamtaufkommen

Bau- und Abbruchabfälle bleiben mit 8,9 Millionen Tonnen oder 38,8 Prozent die größte Einzelkategorie im Aufkommen gefährlicher Abfälle. Gegenüber 2023 stieg dieser Anteil von 8,6 Millionen Tonnen (38,4 Prozent) leicht an. Die zweite große Quelle sind Abfallbehandlungsanlagen, öffentliche Abwasserbehandlungsanlagen sowie Wasser-Aufbereitungsanlagen – darunter Kläranlagen und Wasserwerke – mit zusammen 7,2 Millionen Tonnen (31,2 Prozent). 2023 waren es 7,0 Millionen Tonnen (31,0 Prozent).

Die Dominanz von Bau- und Abbruchabfällen unterstreicht die strukturelle Herausforderung für Vonovia und andere Akteure der Wohnungswirtschaft, die im Rahmen von serieller Sanierung im Wohnungsbestand zunehmend Schadstoff-belastete Materialien aus Bestandsgebäuden entfernen müssen. Asbesthaltige Dämmstoffe, teerhaltige Bitumenbahnen oder PCB-belastete Fugenmassen fallen bei energetischer Sanierung regelmäßig an und erfordern kostenintensive Entsorgungswege.

Zwei Wirtschaftsabschnitte erzeugen über 60 Prozent

Nach Wirtschaftsabschnitten betrachtet stammen 9,4 Millionen Tonnen (40,9 Prozent) der gefährlichen Abfälle aus dem Bereich „Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen" – 2023 waren es 9,1 Millionen Tonnen (40,3 Prozent). Dazu zählen Deponien und Anlagen zur Aufbereitung flüssiger Abfälle mit organischen Stoffen, die bei unsachgemäßer Handhabung über Abwasser in Gewässer gelangen können.

Weitere 4,5 Millionen Tonnen (19,6 Prozent) entfielen auf das verarbeitende Gewerbe, insbesondere Betriebe zur Herstellung von Maschinen, Metallerzeugnissen und chemischen Erzeugnissen. Im Vorjahr waren es noch 4,9 Millionen Tonnen (21,5 Prozent) – hier ist die Menge also leicht rückläufig.

Primärerzeuger – also Betriebe, in denen die Abfälle erstmalig anfallen – erzeugten 16,4 Millionen Tonnen (71,0 Prozent) der Gesamtmenge. Das entspricht einem Anstieg um 0,3 Millionen Tonnen oder 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ursachen des Anstiegs: Bautätigkeit und Sanierungszyklus

Der erneute Anstieg der gefährlichen Abfälle folgt auf das Rekordjahr 2022, in dem 23,2 Millionen Tonnen angefallen waren. Der leichte Rückgang im Jahr 2023 hatte kurzfristig Hoffnung auf Entlastung geweckt – die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die strukturellen Treiber weiter wirken. Mehrere Faktoren spielen hier zusammen:

  • Sanierungswelle im Bestand: Die steigende Zahl energetischer Sanierungen – forciert durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und KfW-Förderprogramme – führt dazu, dass Schadstoffe aus Altbauten der 1960er bis 1980er Jahre vermehrt freigesetzt werden.
  • Asbest- und PCB-Belastung: Asbest ist in Fassaden, Dächern und Bodenbelägen weit verbreitet; PCB wurde bis in die 1970er in Fugenmassen eingesetzt. Beide Stoffe erfordern hochspezialisierte Entsorgungswege.
  • Steigende Abbruchtätigkeit: Nachverdichtungsprojekte in Ballungsräumen führen zum Abriss älterer Wohn- und Gewerbegebäude, deren Baumaterialien häufig kontaminiert sind.
  • Länger werdende Bearbeitungszeiten: Entsorgungsfachbetriebe melden seit 2023 steigende Auslastung; einzelne Regionen verzeichnen Engpässe bei der Annahme asbesthaltiger Abfälle.

Auswirkungen auf Entsorgungskapazitäten und Kosten

Die Entsorgungsinfrastruktur für gefährliche Abfälle steht unter zunehmendem Druck. Spezialisierte Deponien und Verbrennungsanlagen arbeiten vielerorts an der Kapazitätsgrenze. Immobilieneigentümer und Wohnungseigentümergemeinschaften spüren dies direkt: Die Kosten für die Entsorgung asbesthaltiger Materialien oder kontaminierter Böden sind in den vergangenen zwei Jahren regional um bis zu 30 Prozent gestiegen, wie Branchenberichte zeigen.

Facility-Manager in der Wohnungswirtschaft berichten zudem von verlängerten Genehmigungsverfahren und Wartezeiten für die Abnahme. Bei größeren Sanierungsprojekten kann dies zu Bauverzögerungen führen, wenn Abbruchmaterial nicht rechtzeitig abtransportiert werden kann. Aareon und andere Anbieter von Property-Management-Software arbeiten bereits an Modulen zur digitalen Nachverfolgung von Entsorgungsnachweisen, um Compliance-Risiken zu minimieren.

Ausblick: Strukturelle Herausforderung bleibt bestehen

Die Entwicklung zeigt, dass das Thema gefährliche Abfälle aus Bau- und Sanierungstätigkeit in den kommenden Jahren nicht an Brisanz verlieren wird. Die Wohnungswirtschaft steht vor der Aufgabe, energetische Modernisierung mit aufwändiger Schadstoff-Sanierung zu verbinden – eine Doppelbelastung, die in der Kalkulation von Sanierungsprojekten zunehmend Gewicht erhält.

Zugleich wächst der Druck auf Politik und Branche, die Entsorgungskapazitäten auszubauen. Fachverbände fordern seit Monaten Investitionen in neue Behandlungsanlagen und vereinfachte Genehmigungsverfahren, um Engpässe zu vermeiden. Ohne zusätzliche Infrastruktur drohen künftig höhere Kosten und Verzögerungen in der Baubranche – mit direkten Auswirkungen auf die Umsetzung energetischer Sanierungsziele.

Quellen