Kurzzeitvermietung und möblierte Apartments entwickeln sich zu einem wachsenden Geschäftsfeld in der Wohnungswirtschaft. Plattformen wie Wunderflats und Housing Anywhere positionieren sich zwischen dem klassischen Mietmarkt und kurzfristigen Buchungsportalen wie Airbnb. Sie vermitteln möblierte Wohnungen für Zeiträume von einem bis mehreren Monaten – eine Nische, die zunehmend Investoren, Vermieter und Mieter anzieht. Doch während die Branche expandiert, stellt sich die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle und den Risiken für alle Beteiligten.

Die Anbieter bringen Eigentümer und temporäre Mieter zusammen. Ihre Zielgruppe: Projektarbeiter, Studenten, Expats und Berufspendler, die für begrenzte Zeit eine Unterkunft suchen. Anders als klassische Mietverträge sind die Verträge flexibel kündbar, oft mit Fristen von wenigen Wochen. Die Wohnungen sind vollständig möbliert und bezugsfertig ausgestattet – von Geschirr über Bettwäsche bis zu Internet-Anschluss.

Plattformen wie Wunderflats übernehmen dabei mehrere Funktionen: Sie akquirieren Wohnungen, prüfen diese, erstellen Exposés, führen Besichtigungen durch und wickeln Mietverträge ab. Zusätzlich bieten sie Versicherungen gegen Mieterausfall und Schäden an. Im Gegenzug erheben sie Provisionen für ihre Dienstleistungen.

Für Eigentümer und institutionelle Vermieter ergeben sich mehrere potenzielle Vorteile: Der Aufwand für Marketing, Mietersuche und Vertragsabwicklung wird ausgelagert. Zudem können Plattformen dazu beitragen, Leerstandsphasen zu verkürzen. Besonders attraktiv ist das Modell für Eigentümer, die selbst im Ausland leben oder neben ihrer beruflichen Tätigkeit keine Zeit für Vermietungsangelegenheiten haben.

Die höheren Einnahmen sind allerdings nicht ohne Risiko. Die häufigeren Mieterwechsel bedeuten mehr Verschleiss an Möbeln und Ausstattung. Reparaturen und Reinigung müssen regelmässig finanziert werden. Hinzu kommt das regulatorische Risiko: Wer dauerhaft Wohnraum dem regulären Mietmarkt entzieht, riskiert Konflikte mit kommunalen Behörden. Ein weiteres Risiko liegt in der Abhängigkeit von der Plattform – Änderungen der Geschäftsbedingungen können die Kalkulation des Vermieters erheblich beeinflussen.

Für Mieter bietet das Modell Flexibilität: Wer für ein Projekt, ein Praktikum oder eine befristete Stelle in eine andere Stadt zieht, findet schnell eine komplett ausgestattete Wohnung. Der Aufwand für Möbelkauf und Einrichtung entfällt. Auf der anderen Seite ist der Kündigungsschutz schwach ausgeprägt: Vermieter können oft mit vergleichsweise kurzen Fristen kündigen. Zudem fehlt der rechtliche Rahmen langfristiger Mietverträge – Mietminderungen bei Mängeln oder andere Schutzbestimmungen greifen in der Regel nicht. Mieter sollten vor Vertragsabschluss genau prüfen, welche Leistungen im Preis enthalten sind und welche zusätzlich abgerechnet werden.

Für institutionelle Investoren ist das Segment Wohnen auf Zeit ein potenzieller Wachstumsbereich. Allerdings bleibt unklar, wie solide die Geschäftsmodelle der Plattformen selbst langfristig sind – das Risiko von Änderungen oder Insolvenzen ist ein Faktor, den Investoren bei ihrer Portfolio-Planung berücksichtigen müssen.